Manche Leute sind ja die großen Genießer, bei Kultur, Unterhaltung, Literatur, technischer Ausstattung und beim Autofahren, vor allem aber auch beim Essen. Essen kann man aber so richtig nur genießen, wenn es wohltemperiert dem Gaumen zugeführt wird. Diese Grundregel gilt nicht nur in den Feinschmeckertempeln dieser Welt, sondern auch in den Feinschmeckertempeln des kleinen Mannes, in den Betriebskantinen. Auch dort lässt sich ein Essen nur genießen, wenn es noch angemessen temperiert ist. Und wenn man nicht gestört wird.
Aber gerade in Zeiten des chronischen Erreichbarsein-Bedürfnisses kommt es immer wieder vor, dass man sein Essen nicht so würdigen kann wie man es möchte. Stellen Sie sich einmal vor, dass Sie in einer Gruppe Essengehen und, wenn alle sitzen, meldet sich bei jemandem aus Ihrer Gruppe (leise) das Handy. Schnell wird nun nach dem Anrufer geschaut, dann dieser zurückgerufen, es könnte ja etwas Wichtiges sein. Und während alle anderen essen und sich bedingt durch das Telefonat nur bedingt unterhalten, werden über das Handy noch wichtige Dinge besprochen. Nach zig Minuten fällt dem telefonierendem Genießer endlich ein, dass er sich ja auch an's Essen machen könnte, und nimmt, das Handy in der einen, die Gabel in der anderen Hand, den ersten Bissen zu sich. Dann erfährt sein virtuelles Gegenüber: "Das Essen is ja kalt! Blöder Kantinenfraß!"