Über Geschmack, insbesondere auch Kunst, kann man ja streiten. Vor allem bei der Musik gehen die Meinungen oft sehr weit auseinander. Aber es gibt auch Fälle und Situationen, da ist eigentlich alles klar, auch, wenn die einzelnen Lager vorher und nacher wieder über jede noch so kleine Intonationsschwäche des Zweiten Bratschisten, die wallende Frisur der Cellistin am dritten Pult oder den Alkoholkonsum des Posaunisten mit der rötlichen Nase streiten. Manchmal, da werden alle Parteien durch ein Ereignis geeint, da ist sich jeder der Zustimmung der anderen sicher. Die Frage "Mozart oder Beethoven" muss erst gar nicht gestellt werden, um eine Antwort zu finden.
Eine solche Situation ist dann gegeben, wenn Kunstliebhaber, Neureiche, Gönner und Mäzene, Prominenz aus Stadt und Land, kurzum alle, die meinen bei so einem Ereignis nicht fehlen zu dürfen, zusammenkommen, um der fünften von Beethovens Sinfonien ihren Respekt zu zollen. Wenn dann die ersten "da da da daaa" verstummt, Streicher und Bläser gemeinsam oder gegeneinander die Läufe überstanden haben und sich in einer in stundenlanger Detailarbeit einstudierten Generalpause zusammenfinden, dann darf nichts den Kenner stören.
"di dadi dadidadididiii". Kollege Mozart mit seiner kleinen Nachtmusik ist zu vernehmen. Die respektlos eingeschlafenen Ehegatten werden wach, gut frisierte und teuer behängte Köpfe werden gedreht, um den Schuldigen ausfindig zu machen. Mozart oder Beethoven? Alle sind sich einig, Handies verbinden...